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Erscheinungsdatum: 20.10.2008
Verlag: Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, edition octopus, Münster
ISBN: 9783865827166
Seiten: 256
Schlagworte: autobiographie, zeitgeschichte, Familiengeschichte, Nachkriegsdeutschland, 68er
Genre: Romanhafte Biographien
Zwei schreckliche Kriege, zwei fürchterliche Diktatoren und Völkermord auf europäischem Boden. Das war die Bilanz der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte begann sich eine bis heute anhaltende über sechzigjährige europäische Friedenszeit zu etablieren. Es war auch der Beginn einer geradezu revolutionären Veränderung der Arbeitswelt, der wissenschaftlichen Erkenntnisse und technologischen Entwicklungen, die ihre Spuren in der Gesellschaft hinterlassen haben.
Die Eltern des Autors, im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts geboren, wuchsen im Schatten des verlorenen Krieges und des verletzten Stolzes auf. Die Elterngeneration machte erste demokratische Schwimmzüge, brach diese Übung abrupt ab, ebnete den Weg für die Diktatur, ging mit ihr unter und musste für ihre Mittäterschaft büßen.
Auch der Vater des Ich-Erzählers, ein bekannter Naturwissenschaftler, sollte später seinen persönlichen Teil an der Zeche bezahlen. Der Nobelpreis, oder »die höchste Ehrung für einen Wissenschaftler«, wie sich sein Mentor Adolf Butenandt, selbst Nobelpreisträger, zum Tode des Vaters ausdrückte, blieb ihm aufgrund seiner Vergangenheit versagt.
Die Generation nutzte die Chancen nicht, die sich ihr innerhalb des kurzen Zeitfensters der Weimarer Republik zum Eintritt in eine demokratische Gesellschaft eröffnet hatte. Sie ließ sich auf Hitler ein. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, der aufflackernde Nationalstolz und der Hochmut des Deutschseins zerstoben in den Katastro-phen des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts. Die Generation seiner Eltern hinterließ ein moralisches und gesellschaftliches Desaster.
Als die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges nicht mehr verdrängt werden konnte, wurde der Ich-Erzähler geboren, in ein materielles und geistiges Trümmerfeld. Die Verschattungen der Eltern- und Großeltern-generation reichten weit in diese Jahrzehnte hinein und beeinflussten die Lebensmuster und Lebensentwürfe der Nachkriegsgeneration.
Der Autor zeichnet einen solchen Entwurf nach. Das Leben eines Nachkriegsdeutschen. Der Erzähler ist in diesem rückblickenden, erinnernden Lebensgeschehen kein objektiv Beobachtender, vielmehr erlebt er das erinnerte Ich, kommuniziere mit den mehr oder weniger großen Fragmenten der früheren Ichs, um sie zu decodieren, sie lesbar zu machen, sie zu übersetzen, um ihnen eine sprachliche Gestalt zu geben. Es ist eine Zeitreise in sein Selbst, das sich in einer Zeit, die mit Brüchen, Verwerfungen und Aufbrüchen übersät ist, behaupten und entwickeln musste; ein Blick zurück in die erste Zeit der Liebe, des Aufbruchs in die Welt und der Familiengründung; die Demaskierung der Vergangenheit und der Aufbruch in ein demokratisches Deutschland in den 68er Jahren.
Die Geschichte des 20. Jahrhunderts, eingewebt in ein Leben. Traurige und heitere, lust- und leidvolle Innenansichten; ein Wiedererleben sexueller Gefühle und Erfahrungen, ein Rückblick auf Liebe, Familie, Tod, Hoffnung, Selbstachtung und Würde; persönliche Auseinandersetzungen mit den sperrigen Mächten der Notwendigkeiten und des Zufalls.